Einige Aspekte des Kalenders

(eine vereinfachende Darstellung von Erich Löschnigg)

Der Kalender wird von der Notwendigkeit bestimmt, die wichtigsten natürlichen Zeiteinheiten, nämlich den Tag und das Jahr, die arithmetisch nicht zusammenpassen, in Einklang zu bringen. Darüber hinaus wurden in vielen Kulturen auch die Phasen des Mondes berücksichtigt.

1 d = 1 mittlerer Sonnentag, das ist die über das Jahr gemittelte Dauer zwischen zwei Kulminationen der Sonne. Daneben kennt die Astronomie noch den Sterntag bzw. die Sternzeit.

1 a = 1 mittleres tropisches Jahr, das ist die gemittelte Zeit zwischen zwei Durchgängen der Sonne durch den Frühlingspunkt ^ . Daneben kennt die Astronomie noch das siderische und das synodische Jahr,

Der Frühlingspunkt ist der Schnittpunkt zwischen Himmelsäquator und Ekliptik im Zeichen des Widders. Ekliptik nennt man die Schnittlinie zwischen der Ebene der Erdbahn um die Sonne mit der Himmelskugel. Sie ist also der scheinbare Weg der Sonne um die Sphäre im Verlauf eines Jahres.

 

1 a = 365 d 5 h 48 min 45,975 s » 365,2422 d

 

Wie ersichtlich, ist das Jahr zu 365 Tagen um etwa 6 Stunden zu kurz. Zur Korrektur sieht der nach C. Julius Caesar benannte julianische Kalender vor, daß jedes vierte Jahr ein Schaltjahr zu 366 Tagen ist; das julianische Jahr dauert also durchschnittlich 365 d 6 h. Der dabei tolerierte Fehler summierte sich im Lauf der Zeit und betrug im 16. Jahrhundert bereits zehn Tage.

Fehler p.a. durchschnittlich: 6 h - 5 h 48 min 45,975 s » 11 min 14 s

Dieser Fehler wächst in vierhundert Jahren auf rund drei Tage:

(11 min 14 s ) . 400 = 4400 min 5600 s = 3 d 2 h 53 min 20 s » 3 d

Der von Papst Gregor XIII 1582 eingeführte gregorianische Kalender verbessert den julianischen dadurch, daß er einerseits die Jahre, deren Jahreszahl (nach Christus) durch vier teilbar ist, als Schaltjahre zu 366 Tagen fixiert (also prinzipiell wie der julianische); andererseits zu den vollen Jahrhunderten das Schaltjahr ausfallen läßt, es sei denn, die Jahreszahl ist durch 400 teilbar (also sind zum Beispiel 1700, 1800 und 1900 keine Schaltjahre, wohl aber 1600 und 2000).

Der dabei verbleibende Fehler von 2 h 53 min 20 s in 400 Jahren wird erst nach 3323 Jahren auf einen Tag anwachsen.

Historisches

Zum Übergang bestimmte die Bulle Gregors XIII, daß auf den 4. Oktober 1582 der 15. Oktober folgen sollte. Das wurde aber nur in Italien, Spanien und Portugal realisiert. Die katholischen Länder folgten relativ rasch (zum Beispiel Frankreich 9. ® 20. Dez. 1582; Salzburg, Bayern, Brixen 5. ® 16. Okt. 1583.; Steiermark 14. ® 25. Dez. 1583; Österreich und Böhmen 6. ® 17. Jan. 1584).

Die evangelischen und orthodoxen Länder führten den gregorianischen Kalender zum Teil wesentlich später ein, zum Beispiel Preußen 1612, 1700 die meisten evangelischen deutschen Länder mit Dänemark und Norwegen, Großbritannien 1752, Graubünden 1812, Bulgarien 1916, Rußland 1918, Griechenland 1923, Türkei 1926.

Im Mittelalter waren sechs Jahresanfänge in Gebrauch, der 1. Jänner setzt sich erst allmählich in der Neuzeit durch; die päpstliche Kanzlei rechnet ab dem 17. Jh. mit diesem Neujahrsdatum.

1. Jänner: Circumcisiumstil (z. Bsp. die Kanzlei des Luxemburger Kaisers Karls IV)

1. März: Vorcäsarischer Jahresanfang (z. Bsp. Merowinger, Venedig, Rußland bis 13. Jh.)

25. März: Annunciationsstil (Marienjahr) (der Hohenstaufener Kaiser Friedrich II, Ungarn, Salzburg)

Osteranfang (Karsamstag); (z. Bsp.Köln, Kapetinger)

1. September: Byzantinisch (z. Bsp. Rußland 13. - 17. Jh.)

25. Dezember: Weihnachtsanfang (z. Bsp. Karolingische Hofkanzlei, Köln, England)

Der Ostersonntag wurde 325 vom Konzil von Nicäa (heute Iznik in NW-Anatolien) festgesetzt als der erste Sonntag, der dem ersten Vollmond im Frühling (21. März) folgt. Der Zweck dieser Konstruktion war, den 28-jährigen julianischen Sonnenzyklus (s.u.) mit dem 19-jährigen Mondzyklus (s.u.) zu kombinieren. Dieser Zusammenhang wurde durch den Ausfall der säkularen Schaltjahre gemäß der gregorianischen Kalenderreform wesentlich verwickelter.

Ungeachtet aller Kalenderreformen wurden seit dem Altertum die sieben Tage der Woche bruchlos durchgezählt. Im deutschen Mittelalter sind die folgenden Wochentagsnamen im Gebrauch:

 

römisch

german.

Deutsches Mittelalter

Sonntag

Sonne

 

dominica, dies dominicus, dies Solis, sonnentag, lux domini, lux die, feria prima. vgl. it..Domenica, engl. Sunday, frz. Dimanche

Montag

Mond

 

feria secunda, dies Lunae, guter tag, mentag..Lunedi,. Monday

Dienstag

Mars

gr. Ares

Tiu, Ziu

feria tertia, dies Martis, Eritag, Irchtag, Irrtag (diese drei nach Ares), Zinstag, Zistag, Cistag, aftermontag. vgl. it. Martedi, engl. Tuesday, frz. Mardi

Mittwoch

Merkur

Wotan

feria quarta, dies Mercurii, Wodenstag, Gudenstag, media septimana, mittichen, michten. vgl. ital. Mercoledi, engl. Wednesday

Donnerstag

Jupiter

Donar

feria quinta, dies Jovis, phincztag (nach gr. penta=fünf), durnstag. vgl. ital. Giovedi, frz. Jeudi, engl. Thursday.

Freitag

Venus

Freya

feria sexta, dies Veneris, fridach. vgl. ital. Venerdi, engl. Friday

Samstag

Sonnabend

Saturn

 

feria septima, dies sabbatinus, sabbatum, sambestag, dies Saturni, Satertag, snavend, sneund, unsen abend.. Saturday, Sabbato

Interessanterweise benennt man im Portugiesischen die Wochentage entsprechend der jüdischen Tradition noch heute mit feria prima, secunda usw.

 

Es mag interessieren, daß die Tagesgötter - die zugleich die sieben Planeten des geozentrischen Systems sind - ursprünglich Stundengötter (zunächst altorientalisch, denn griechisch, schließlich römisch) sind. Die vom antiken astronomischen Weltbild vorgegebene Reihenfolge der Stunden lautet (7 Sphären von außen nach innen gezählt; die achte ist der Fixsternhimmel, die Oktave der Sphärenmusik nach Pythagoras) demnach:

Saturn, 2. Jupiter, 3. Mars, 4. Sonne, 5. Venus, 6. Merkur, 7. Mond.

Beispiel: Donnerstag ist der Tag, an dem die erste Stunde die des Jupiter ist. Dreimal werden nun alle sieben Götter durchlaufen bis zur 21. Stunde. Dann folgen noch 22. Jupiter, 23. Mars, 24. Sonne. Die erste Stunde des neuen Tages wird folglich der Venus zugeordnet, es ist also Freitag. So erklärt sich die Reihenfolge der Tagesnamen in der Woche.

 

Der Sonnenzyklus: Da ein Gemeinjahr aus 52 Wochen und 1 Tag besteht (52.7 + 1 = 365) müßten - wenn es kein Schaltjahr gäbe - nach sieben Jahren alle Wochentage wieder auf dasselbe Datum fallen. Wegen des Schaltjahres dauert es aber 4 . 7 = 28 Jahre bis zu dieser Übereinstimmung (alles nach julianischer Rechnung!)

 

Der Monat (Mond)

Außer dem Sonnenjahr ist historisch auch das Mondjahr (synodisches Jahr) von Bedeutung, nach dem ursprünglich auch die Römer rechneten.

Je nach Beobachtungsweise kennt die Astronomie vor allem den siderischen Monat (1 Umlauf, auf den Fixsternhimmel bezogen), den tropischen Monat (Nachtgleichenpunkt) sowie den synodischen Monat (Mondphasen). Letzterer ist für uns der Wichtige:

1 mittlerer synodischer Monat, das ist die Zeit zwischen zwei Neumonden, dauert

 

29 d 12 h 44 min 3 s » 29, 5306 d

Zwölf solche Monate ergeben ein synodisches Jahr, welches ca. 354,3671 d dauert. Nach 19 julianischen Jahren fallen die Mondphasen wieder auf dasselbe Datum (Mondzyklus).

Das julianische Jahr brachte man zum Zweck christlicher Festrechnung mit dem Mondumlauf derart in Verbindung, daß man 19 julianische Jahre mit 235 synodischen Monaten gleichsetzte. Diese 235 Monate ließ man in ihrer Dauer zwischen 30 und 29 Tagen abwechseln, wobei noch sieben Schaltmonate zu 30 Tagen eingeschoben wurden. Auf diese Weise hatte man 6940 Tage verteilt, während nur 6939 zur Verfügung standen, weswegen man im Schlußjahr des Zyklus einen Tag ausfallen ließ (saltus lune). Der Zweck dieser Anordnung bestand darin, daß nach einem Mondzyklus von 19 Jahren die Mondphasen wieder an denselben Monatsdaten eintreten.

In zahlreichen Kulturen verwendete man Mondkalender. Heute ist der wichtigste dieser Art der islamische Kalender. In diesem ist das Jahr etwa zehn Tage kürzer als das gregorianische, was zur Folge hat, daß 36 Jahre christlicher Rechnung 37 Jahren islamischer Rechnung entsprechen. Die islamischen Feste sowie das Neujahrsdatum durchlaufen also im Verlauf von 36 Jahren alle Jahreszeiten.

Auf vielfältige Weise hat man das Jahr in den verschiedenen Kulturkreisen in Monate unterteilt. Der jüdische Kalender etwa wechselt zwischen Gemeinjahren mit zwölf Mond-Monaten und Schaltjahren mit einem dreizehnten Schaltmonat. Das neue Jahr beginnt mit dem Frühlingsmonat Nissan, in dem auch das Passahfest = Osterfest liegt.

Der alte römische Kalender hatte ursprünglich nur zehn Monate. Nach mehreren Reformen (Schaltmonate u.a.) erhielt er endlich durch Caesar die bekannte Gestalt. Die römischen Monatsnamen gelten im Wesentlichen heute noch. (45 v. Chr. wurde der Quintilis auf Juli (zu Ehren Caesars) umbenannt, 8 v. Chr. der Sextilis zu Ehren des Augustus. Weitere Umbenennungen wie April auf Nero, Mai auf Claudius und Oktober auf Domitian haben sich offenbar aus Gründen politischer Opportunität nicht durchgesetzt.

Januar bezieht seinen Namen von Janus (dem Gott der Türen und Tore), februare heißt reinigen (also Reinigungsmonat als letzter Monat des Jahres; das Jahr begann mit dem 1. März), März von Mars, April ist ungeklärt, Mai von Maius, einem altitalischen Gott des Wachstums; Juni von der Göttin Juno.

Karl der Große ersetzte die römischen Monatsnamen durch fränkische, die sich jedoch auf die Dauer nicht durchsetzten, wenngleich einige noch geläufig sind, weil sie zum Teil bis in das 19. Jahrhundert in Gebrauch waren: Jänner - Wintarmanoth, Februar - Hornung, März - Lenzinmanoth - Lenzmond, April - Ostarmanoth - Ostermond, Mai - Winnemanoth - Wonnemond, Juni - Brachmanoth - Brachmond, Juli - Hewimanoth - Heumond, August - Aranmanoth - Erntemond, September - Widemanoth, Oktober - Windumanoth - Weinmond, November - Herbstimanoth, Dezember - Heilogmanoth.

 

Kurioses

Die französische Revolution bestimmte nach verschiedenen Anläufen den 22. September 1792 (Ausrufung der Republik) zum Beginn der neuen Zeitrechnung. Das Jahr enthielt 12 Monate (mit neuen Namen wie zum Beispiel Germinal, Thermidor, Fructidor) zu 30 Tagen. Zu diesen 360 Tagen fügte man noch fünf jours complémentaires (auch sansculottides) hinzu (so war es auch im alten Ägypten gemacht worden), zu denen in Schaltjahren ein sechster, der Tag der Revolution, trat.

Anstelle der Siebentagewoche wurde der Monat in drei Dekaden (wie schon im alten Attika) unterteilt (Tagenamen: primidi, duodi, tridi, quartidi, etc.). 1805 hob Napoleon den Revolutionskalender wieder auf, jedoch wurde er vorübergehend 1871 von revolutionären Gruppen wieder eingeführt.

Es gab auch Bestrebungen, den Tag dekadisch zu unterteilen (Laplace). Das scheiterte nicht nur an dem Beharrungsvermögen der Franzosen, sondern auch am Vorhandensein der Uhren mit 12-Stunden-Einteilung, die in der damaligen Zeit Gegenstände von hohem Wert waren. Tatsächlich gibt es noch Uhren mit einem 10-Stunden-Zifferblatt aus dieser Zeit.

Der italienische faschistische Kalender rechnete vom 28. Oktober 1922, dem Tag des Marsches auf Rom, an. In offiziellen Druckwerken und Inschriften wurde ein Datum beispielsweise so angegeben: 15. Mai 1923 - a. I (i.e. anno primo); 27.10.1926 - a. IV (i.e. anno quarto).